Donnerstag, 24. Mai 2012

Komischer Westen und Macht der Gewohnheiten

Wir sind in Sydeny angekommen, haben unser Zimmer bezogen und erkunden die nähere Umgebung. Um die Strasse zu überqueren bewegen wir uns auf den Fussgängerstreifen zu. Selbstverständlich blicken wir aus lauter Gewohnheit erst einmal in die falsche Richtung obwohl wir aus Thailand den Linksverkehr ja schon gewohnt sein sollten. Als wir dann endlich in die Richtung der uns näheren Fahrbahn blicken, steht dort ein Wagen. Darin sitzt ein Mann der uns mit einem Handzeichen dazu ermuntert uns endlich in Bewegung zu setzen. Nach knapp einem halben Jahr in Asien wo der Verkehr beim Überqueren der Strasse hinter und vor einem durchrauscht, eine komische, wenn auch nicht unangenehme, neue Erfahrung.

Ich bin für eine längere Sitzung auf der Toilette. Nach dem das Geschäft erledigt ist, suche ich den Mülleimer für das benutzte Toilettenpapier. In der doch relativ beengten Kabine kann ich den Eimer jedoch nirgends erblicken. Könnte ich ihn übersehen haben? Ich schaue mich noch einmal genau um. Es steht tatsächlich kein Eimer neben der Toilette. Nachdem ich einige Sekunden Ratlos im Raum stehe, entschliesse ich mich schlechten Gewissens, das Papier in der Toilette zu entsorgen.

Ein knappes halbes Jahr haben wir darauf geachtet, dass wir kein Wasser vom Wasserhahn in den Mund nehmen, auch nicht um den Mund nach dem Zähneputzen zu spülen. Mit unseren Kindern haben wir schon etliche Male schimpfen müssen weil sie wieder irgendwo „krankmachendes“ Wasser in den Mund genommen haben. Prompt weist mich Loan nach dem Zähneputzen zurecht als ich das Australische Leitungswasser koste. Es ist zwar trinkbar, schmeckt aber nach Chlor. Wie gut wir es doch in unserer Heimat haben. Bestes, natürlich schmeckendes Trinkwasser direkt aus dem Hahn.

Wenn ich im Restaurant bestelle, muss ich mich beherrschen meine Sätze nicht nur in zwei einfach verständliche englische Worte zu fassen, sondern wieder in ganzen Sätzen zu sprechen. Komisch wenn mein Gegenüber auf einmal deutlich besser englisch spricht als ich und dies auch noch in einem äusserst schwer verständlichen Slang. Dafür ist es umso schöner sich auch mit anderen, wildfremden Menschen wieder unterhalten zu können.

Eine Sorge bleibt. Wird Gwen, die mit dem Asiatischen Essen aufgewachsen ist, auch unser selbstgekochtes westliches Essen mögen oder müssen wir täglich eine Portion Reis kochen? Wir haben Glück, Gwen liebt Pasta.


So reizvoll und anders Asien auch ist, so schön ist es wieder im Westen zu sein, wo es viel mehr Platz gibt, der Lärm weniger penetrant ist, die Geschmäcker und Düfte etwas weniger Eigenartig sind und wir uns ein bisschen mehr wie zu Hause fühlen.

Freitag, 20. April 2012

Unser Freund und Helfer

Nachdem wir von Siem Reap zügig bis zur Grenze von Kambodscha kamen und dann auch noch problemlos und schnell, dank unseren Kindern, die Visa erhalten hatten, reisten wir wieder in Thailand ein. Erfreut und überrascht weil alles so gut geklappt hatte, machten wir uns gleich auf die Suche nach einem Minibus der uns nach Chanthaburi fahren sollte. Trotz der Warnung im Reiseführer, dass es viele Schlepper gäbe, die nur darauf aus sind, Reisende übers Ohr zu Hauen, indem sie zu viel Geld für eine Busfahrt verlangen oder ein Fahrzeug versprechen, welches dann gar nicht dem entspricht was versprochen wurde, hatten wir unseren Minibus schnell gebucht und unsere Reise sollte in zwei Stunden weiter gehen. Als wir dann nach drei Stunden immer noch warteten, angeblich nur noch auf einen Passagier, der die Fahrt bereits bezahlt hatte aber wegen irgendwelchen Visa-Problemen an der Grenze hängen geblieben war, dämmerte es uns langsam, dass der Fahrer nicht bereit war den weiten Weg bis Chantaburi mit uns als einzigen Fahrgästen in Angriff zu nehmen. So einfach sind wir also doch auch bei irgendwelchen Schleppern gelandet!

Wir beschlossen unsere Reise zu unterbrechen, forderten den Preis für die Tickets zurück und nahmen ein TukTuk in die nächstgelegene grössere Ortschaft Aranyaprathet. Wir fanden dann auch eine Absteige, nicht ein Hotel in dem wir eine Woche lang Urlaub machen möchten, aber für eine Nacht gerade so erträglich.

Frisch geduscht und neu motiviert, zottelten wir los in die Stadt in die wir eigentlich gar nicht hin wollten. Wir fanden dann auch prompt einige Marktstände, deckten uns mit den dargebotenen Leckereien ein und setzten uns auf eine Mauer um die Köstlichkeiten zu verzehren. Schon nach den ersten Bissen stellten wir fest, dass wir wieder in Thailand waren und es klug gewesen wäre zu fragen was denn nicht scharf sei, anstatt nach Herzenslust einfach das Bestaussehende zu wählen.

Beim Verlassen der Essstände fragten wir schlussendlich einen Händler wo sich denn der Busbahnhof befinde damit wir uns erkundigen konnten, wann denn am nächsten Tag ein Bus nach Chanthaburi fährt. Die zwei am Marktstand verstanden leider kein Wort englisch, zögerten aber keinen Moment um einen weiteren Mann zu Rate zu ziehen. Dieser schien zu verstehen, dass wir den Busbahnhof suchten und deutete in eine Richtung, und dann nach links. Der Mann sprach dabei die ganze Zeit in ruhigem Thai zu uns. Als wir merkten, dass der gute Mann uns zwar helfen wollte aber kein Wort englisch konnte, versuchten wir ihn gestikulierend zu fragen wie weit die Distanz zum Bahnhof denn sei, respektive ob wir dahin spazieren könnten oder uns fahren lassen sollten. Da wir uns ja sowieso nicht verstanden, sprachen wir mittlerweile übrigens schweizerdeutsch mit dem Mann. Er zeigte uns mehrmals zwei Finger. Wir wussten nun nicht ob wir die zweite Querstrasse links gehen mussten oder ob der Weg zwei Kilometer lang sei. Also verabschiedeten wir uns und machten uns in die Richtung auf in welche uns der Fremde gezeigt hatte. Wir steuerten auf eine Gruppe junger Männer zu um uns die Richtung noch einmal bestätigen zu lassen, denn Asiaten neigen dazu, wenn sie die Antwort auf eine Frage nicht kennen einfach irgend etwas zu sagen. Doch noch bevor wir die Gruppe erreicht hatten, hielt auf einmal auf der anderen Strassenseite ein Pickup und der Mann von vorhin kam auf uns zu, streckte uns seine Dienstmarke der Thailändischen Polizei unter die Nase und deutete, dass wir auf der Ladefläche seines Autos Platz nehmen sollten. Nach einer Fahrt von gut zwei Kilometern hielt der Wagen bei einem Hotel. Nun kramten wir in unserem Reiseführer den kleinen Abschnitt mit Thai-Deutsch hervor, da wir auf einmal nicht mehr sicher waren, dass der Beamte unser Anliegen mit dem Busbahnhof auch richtig verstanden hatte. Doch bevor wir das Wörterbuch benutzen konnten, stand bereits eine Dame aus dem Hotel neben der Ladefläche des Pickups die etwas Englisch konnte. So erfuhren wir, dass uns der Polizist richtig verstanden hatte und sich der Busbahnhof gleich um die Ecke befinden würde, die Schalter aber bereits geschlossen hatten und der von uns gewünschte Bus morgen um neun Uhr morgens los fahren würde.

Als letzter Service fuhr uns der Mann mit seinem Wagen dann noch nach Hause bis vor unsere Unterkunft. Selbstverständlich entgingen uns die überraschten Mienen des Hotelpersonals nicht, als uns der Polizist auf seinem privaten Wagen bei ihnen absetzte. Nach einigen Worten Thai hellten sich die Gesichter der Angestellten aber auch gleich wieder auf. Wir bedankten uns ganz herzlich bei dem Gesetzeshüter und verabschiedeten uns von ihm.

Aranyaprathet wird für uns als Grenzstadt in Erinnerung bleiben in die wir eigentlich gar nicht hin wollten, wir dann aber durch einen glücklichen Reisezufall ein unvergessliches Erlebnis der Thailändischen Gastfreundschaft erleben durften. Es ist schön wieder im Land des Lächelns zu sein.



Ps. wir sind wieder unter unserer Thailändischen Handy-Nummer erreichbar.

Donnerstag, 12. April 2012

Friedrice with chicken, beef, pork or vegetable?

Was soll ich heute essen? Diese Frage zu beantworten fällt uns täglich schwerer. Die Menükarten unterscheiden sich kaum mehr voneinander und die meisten Speisen kennen wir in und auswendig. Oft verzichten wir aus hygienischen Gründen auf Salat und vegetarische Menüs mit viel Gemüse sind schwierig zu bekommen. Das warten auf das Essen, auf die Rechnung und zuletzt auf das Wechselgeld machen die tägliche Esserei zur Tortour. Unser grösster Wunsch ist es, selber zu kochen, auf was wir gerade Lust haben.

Wenn man die klimatischen Bedingungen die zur Zeit vorherrschen in einem Wort beschreiben soll, dann trifft es das „Dampfbad“ doch ziemlich genau. Es ist drückend schwülheiss, die Kleider triefen schon nach kurzer Zeit vor Schweiss und der Wasserkonsum steigt ins unermessliche. Es dauert jetzt noch rund einen Monat und dann ist mit Beginn der Regenzeit fertig lustig.

Es sind diese zwei Hauptgründe warum wir von unserer eigentlich Reiseroute etwas abweichen. Wir möchten selber kochen und trotzdem reisen, weil wir gerade erst einen Monat an ein und demselben Ort verbracht haben. Mit einem Wohnmobil könnten wir uns beide Wünsche erfüllen. Nach fünf Monaten in Asien, können wir auch gut eine kulturelle Abwechslung brauchen und haben uns für den fünften Kontinent entschieden. Wir fliegen also am 1. Mai von Bangkok nach Sydney und werden fünf Wochen mit einem Campervan an der Ostküste unterwegs sein.
(Wens interessiert, unser Fahrzeug http://www.campermanaustralia.com/family5-campervan.html)

 
Dies wird übrigens all diejenigen unter euch freuen die uns sehnlichst vermissen. Denn in“ Down Under“ werden wir unser Budget kaum einhalten können, was dazu führen wird, dass sich unsere Reisezeit verringern wird.

Freitag, 30. März 2012

Grenzerfahrung

Nachdem wir auf der Insel Phu Quoc einen Monat lang gefaulenzt und unseren schweizer Besuch in vollen Zügen genossen haben, entschlossen wir uns, nach Kambodscha zu reisen. Sehr ungewohnt, nach so langer Zeit die Rucksäcke wieder einmal zu packen. Am Morgen früh aus den Federn und ab in den Minibus der uns in rasanter Fahrt, der Fahrstil erinnert uns an unsere erste Fahrt nach Kho Lantha, an den Pier bringt. Von da aus mit der Fähre ans Festland wo wir genügend Zeit finden um etwas zu essen. Für mich gibt es übrigens Reis mit Katze.

Als der Minibus der uns zur Grenze bringen soll endlich eintrifft, heisst es erst einmal Zettel ausfüllen für das Visa.

Dann geht es los Richtung Grenze. Wir steigen aus, füllen noch einmal einen Zettel aus und melden uns damit in Vietnam ab. Kurz in den Bus einsteigen und nach einer Fahrt von gerade mal 50m gleich wieder aussteigen. Es heisst ein weiteres Mal, Zettel ausfüllen. Diesmal im Doppelpack. Ein Hoch auf die Bürokratie! Unsere Mitreisenden müssen immer auf uns warten, da wir jeweils das ganze für alle vier Familienmitglieder machen müssen.

Wir steigen bereits auf Kambodschanischer Seite mit einem Kambodschanischen Visa im Pass wieder in den Minibus ein. Jetzt sollten wir es eigentlich geschafft haben. Aber keine 50m später stoppen wir bereits wieder. Und siehe da, wir füllen mal wieder Zettel aus. Diesmal sind nebst den bekannten Passnummern, wo kommt ihr her, wo wollt ihr hin, auch noch medizinische Fragen drauf, zum Beispiel ob in den letzten Tagen Fieber oder dergleichen aufgetreten ist. Zum krönenden Abschluss zückt der nette Herr in seinem schäbigen Holzunterstand einen berührungslosen, schweizer infrarot Präzisionsthermomether und misst damit allen die Körpertemperatur.

Als wir auch den Gesundheitscheck erfolgreich hinter uns gebracht haben, müssen wir nur noch kurz warten bis unsere Fahrer, die sich während des Fiebermessens in das nächste Restaurant gesetzt haben, fertig gegessen haben. Schlussendlich erreichen wir, eine Reiseerfahrung reicher, unser Ziel Kampot in Kambodscha.

Als kurze Anmerkung sei nur erwähnt, dass das ganze Prozedere nur für ausländische Touristen gilt. Die einheimischen fahren mit ihren vollbepackten Motorrädern einfach über die Grenze, ohne anzuhalten oder gar einen Zettel ausfüllen zu müssen. Anscheinend leiden einheimische auch nicht an Fieber.

Sonntag, 25. März 2012

Eindrücke aus Vietnam

Wir hatten einen schlechten Start in Vietnam. Vielleicht lag es daran, dass wir auf das Visum am Flughafen anstatt der üblichen 15 Minuten etwas über zwei geschlagene Stunden warten mussten, vielleicht lag es an der ersten Taxifahrt vom Flughafen ins Zentrum bei der uns der Taxifahrer ca. das dreifache des üblichen Preises verlangt hat und uns nicht dort abgesetzt hat wo wir eigentlich hin wollten. Vielleicht lag es aber auch einfach daran, dass wir bereits einige Tage in Bangkok, einer Riesenstadt in der es schwierig ist ein wenig Ruhe zu finden, verbracht hatten und nun mitten in der Millionenmetropole Ho Chi Minh gelandet waren. In einer Stadt in der etwa einhundert Motorräder gleichzeitig losfahren sobald die Ampel auf grün stellt und einen Höllenlärm verursachen. In der sowieso Chaos auf den Strassen zu herrschen scheint und der Verkehr trotzdem irgendwie funktioniert weil keiner auf sein Recht pocht und jeder auch für den anderen schaut.

Wir flohen aus dem Lärm und der Hektik aus Saigon, dem Stadtzentrum von Ho Chi Minh, nach Mui Ne an die Küste um uns am Strand zu erholen. Der Küstenabschnitt hat mit seinem schönen Sandstrand und den riesigen Sanddünnen auch einiges zu bieten. Nur scheint Mui Ne die beste Zeit bereits hinter sich zu haben und von dem rasant ansteigenden Touristenaufkommen völlig überfordert gewesen zu sein. Der Ort verfügt über keinen Stadtkern sondern erstreckt sich entlang der Hauptstrasse wo sich eine lieblos hingebaute Anlage nach der anderen erstreckt. In den Anlagen sind viele Dinge in die Jahre gekommen oder defekt. Trotzdem wird kaum etwas repariert, die russischen Pauschaltouristen, an welchen sich der Ort erfreut, kommen ja sowieso. Unser Eindruck von den Bewohnern aus little Moskau, so nennen wir Mui Ne im stillen ist, dass sie das schnelle, grosse Geld mit den Touristen suchten, sie ihnen aber längst überdrüssig sind und sie als ein notwendiges Übel erdulden.

Wir verliessen die Küste und stiessen in das südliche Hochland nach Da Lat vor. In dem milden Klima auf über 1400 Meter über Meer in einer alten Kolonialvilla aus der französischen Besatzungszeit fühlten wir uns auf Anhieb wohl. Die Leute waren sehr freundlich und trotzdem zurückhaltend. Die Kinder hatten viel Platz zum Spielen, es gab einiges zu sehen und die Stadt verfügt über eine angenehme Grösse. Man kann fast alles kaufen, es gibt einige leckere westliche Küchen und trotzdem ist der Ort überschaubar.

Von Da Lat aus fuhren wir mit einem Fahrer drei Tag lang durch das zentrale Hochland und haben viel von der Landschaft Vietnams gesehen. Wir hielten an vielen Sehenswürdigkeiten wie Wasserfällen, Kaffe-, Tee-, Kautschukplantagen, Reispapier Herstellung, Seidenraupenfarm, Seidenverarbeitung, Pilzzucht,... Aber für unsere Kinder war es viel zu viel und vor allem zu lange im Auto in zu kurzer Zeit.

Aber dann fanden wir ein kleines Paradies auf dieser Erde am Strand von Doc Let. Weit weg von der Vietnamesischen Hektik, von dem konstanten Lärm. Ein Resort dessen einfachen Häuser alle komplett aus Bambus gebaut sind, das an einem völlig einsamen Strand liegt und alle Besucher an einem grossen Tisch zusammen essen und sich austauschen. Am Abend bei einem Bier noch zusammen sitzen und von ihren Reiserouten und Erlebnissen berichten. Einzig die hohen Wellen im Südchinesischen Meer liessen nicht so richtig Badespass aufkommen.

Wir beschlossen die Reise in den Süden des Landes auf uns zu nehmen und hofften im Golf von Thailand auf ruhigeres Meer. Zu treffen Nach einer Taxifahrt in Nha Trang angekommen, freuten wir uns nach der Abgeschiedenheit und dem sehr reislastigen Essen wieder auf alles was die westliche Küche zu bieten hat. Auch wenn wir uns zwischendurch etwas dämlich vorkamen, aber wieder einmal ein Schnitzel mit Pommes, was gibt es besseres. Nha Trang ähnelt mit seinen grossen, wüsten Betonhotels direkt am Strand stark Städten an der Costa Brava. Trotzdem gefiel es uns hier, vielleicht wegen all den Produkten die wir hier wieder kriegen konnten, vielleicht wegen der für Vietnam untypisch schönen und gepflegten Strandpromenade.

Mit dem Nachtzug fuhren wir zurück nach Ho Chi Minh und nach einem ausgiebigen Frühstück in unserem Liebling-Morgenrestaurant, die Ankunft in eine vertraute Umgebung fühlte sich irgendwie wie Heimkommen an, direkt weiter nach Vinh Long. Es blieb aber kaum Zeit den Ort zu erkunden weil wir innerhalb von vier Tagen durch das Mekong Delta wollen um unseren Schweizer Besuch, auf den wir uns schon riesig freuten, auf Phu Quoc zu treffen. Also hiess es weiter nach Can Tho, dem Ort mit dem grössten schwimmenden Markt und einer schönen Uferpromenade, von dort aus in das Städtchen Rach Gia. Hier wurde uns bewusst wie wenige Touristen mit Kindern sich wohl in das Nest verirren das nebst dem Fährhafen auf die Insel kaum etwas zu bieten hat. Wir konnten uns im Park nicht auf eine Bank setzen und einfach in Ruhe eine Mango essen. Nach kaum einer Minute hatte sich bereits eine Menschentraube aus einem dutzend Personen um uns geschaart die uns alle anstarrten, zwar auf eine freundliche Art, mit einem Lächeln auf den Lippen, aber trotzdem kamen wir uns vor wie im Zoo und wechselten nach jeder Frucht die Parkbank, in der Hoffnung doch einen Moment für uns zu haben. Aber kurz nachdem wir uns niedergelassen hatten, bildet sich wieder eine Menschenmenge die unsere Kinder betatschte. Wir hatten uns nach dem guten Monat Vietnam schon an dieses Spiel gewöhnt, aber hier in Rach Gia war es so ausgeprägt wie sonst nirgends.

Mit der Fähre setzten wir dann auf die wunderbare Insel Phu Quoc über. Ausser sun, fun and nothing to do gibt es hier wirklich nicht viel. Die herrlichen Strände zum Baden geniessen, einige Ausflüge mit dem Boot. mit dem Motorrad die Insel erkunden und abends am Nachtmarkt einen frisch gefangenen Fisch auswählen der dann auch gleich zubereitet wird. Aber hauptsächlich genossen wir die Abgeschiedenheit zusammen mit unseren Besuchern aus der Schweiz. Trotz all der Abgeschiedenheit bietet der nahe gelegene Ort Duong Dong alles was das Herz begehrt. So kam ich doch tatsächlich noch zu einem Fondue! Hoffentlich kann die Insel ihren Scharm auch nach der Fertigstellung des internationalen Flughafens bewahren und wird nicht so zugebaut wie Mui Ne. Es ist auch zu hoffen, dass mit dem zu erwartenden höheren Touristenaufkommen eine funktionierende Müllabfuhr ins Leben gerufen wird, damit der Abfall nicht mehr vor den Häusern verbrannt oder ins Meer geworfen wird und bei ungünstiger Meeresströmung als Müllteppich an den Strand gespült wird.

Wir für unseren Teil haben Vietnam nach einem etwas harzigen Start lieben und schätzen gelernt. Trotz oder gerade wegen dem Verkehrschaos, den schlechten Strassen, den überaus neugierigen Leuten bei denen gaffen kein Tabu ist, man dafür aber um so leichter in Kontakt kommt. Das Land mit seinen 83 Millionen Einwohnern hat sehr viele unterschiedliche und interessante Facetten zu bieten die es zu entdecken lohnt.

Samstag, 7. Januar 2012

Was der Bauer nicht kennt...

... das probieren wir!

Beim Schlendern über einen Markt sind uns an einem Stand frittierte Waren der etwas anderen Art aufgefallen. Das Sortiment reichte von diversen Käfern über Heuschrecken bis Maden. Auf die Frage was denn das Leckerste von dem Getier sei, zeigte die Verkäuferinnen ohne nachzudenken auf die Maden. Also probierte ich frittierte Maden. Zugegeben, es kostete etwas Überwindung das erste Ungeziefer in den Mund zu stecken, ich möchte euch das Geschmackserlebnis aber nicht vorenthalten. Frittierte Maden schmecken etwas mehlig, sind aussen von einer Art Haut überzogen, vergleichbar mit derjenigen eines Maiskorns, der Inhalt ist dann im Biss ähnlich wie eine zu lange im Wasser gekochte Karotte. Nun ja, ich hab's nun mal probiert und das reicht eigentlich auch. Wie wohl die Heuschrecken geschmeckt hätten?....

Auf einem anderen Markt an einem anderen Abend in einer anderen Stadt kauften wir tischtennisballgrosse, runde Irgendwas. Wir hatten vorher, so gut es mit unserem Thai eben ging, versucht zu erkunden was es denn sein könnte. Es war „mäi pet“ (nicht scharf) dafür aber „wahn“ (süss). Kann ja nicht schaden, wenn grad kein Bananasplit zur Hand ist mal was anders zu versuchen. Der Verkäufer packte vier von diesen Bällen in eine Schachtel und goss etwas Vanillecreme und Schokosauce darüber. Den ersten Klumpen packte ich also ohne nachzudenken ganz in den Mund. Die Schokolandesauce entpuppte sich als süsse Sojasauce und die Vanillecreme war Mayonnaise. Der Teig des Gebäcks war ohne viel Geschmack, etwas süsslich und in der Mitte war, zu meinem Erstaunen, eine Füllung die sich kaum zerkauen liess. Als ich den nächsten Ball nur bis zur Hälfte anbiss um mal zu schauen was sich denn im Zentrum des Kloses befindet, staunte ich nicht schlecht. Eine Süssigkeit mit Tintenfisch in der Mitte. Berliner mal anders!

Bevor wir in den Zug von Chumphon nach Prachuap Khiri Khan stiegen, wollten wir noch Reiseproviant besorgen. Dabei entdeckten wir eine Frucht die wir noch nicht kannten. Sie ähnelte in Form und Grösse stark der Durian die uns nicht besonders schmeckt, aber oft auf Verbotsschildern in den Hotels abgebildet ist (man wird gebüsst wenn man eine solche Frucht mit ins Zimmer nimmt weil sie anscheinend bestialisch zu stinken beginnen). Neugierig und gespannt versuchten wir diese sogenannte Jackfruit. Bereits nach dem ersten Bissen reichte ich meine an Sabine weiter mit der Bemerkung, dass mir die Frucht nicht gut bekomme. Keine zwei Minuten später musste ich mich dann auch bereits übergeben. Dass ich auf einige Früchte leicht allergisch reagiere, war mir bekannt. Aber eine solche Reaktion hatte ich noch nie erlebt. Es wurden Erinnerungen wach an einen Kollegen der in Amsterdam versehentlich Erdnusssauce erwischt hatte und höchst allergisch auf Nüsse ist. Nachdem er sich übergeben hatte und es ihm ein Weilchen gut gegangen war, bekam er so starke Atemnot, dass wir mit ihn zur Behandlung ins Spital fahren mussten.
Ich nahm also erst einmal eine Antiallergikum Tablette ein, die wir zum Glück dabei hatten weil wir ja mit Vollgepäck beim Bahnhof waren. Ich erholte mich ziemlich rasch und bekam keine Atemnot. Nun waren wir im Zwiespalt. Da wir nicht wussten, ob und welche weiteren Reaktion folgen würden, standen wir unentschlossen mit gesamten Gepäck und gelösten Zugtickets auf dem Perron. Fahren wir trotzdem oder verschieben wir die Reise auf den nächsten Tag? Als die kurze Zugeinheit, angetrieben von einem schweren Dieselaggregat davon rauschte, sassen wir immer noch auf dem Bahnsteig in Chumpon und kehrten in das Hotel zurück in welchem wir vor kurzem erst ausgecheckt hatten. Wir hatten uns für „safety first“ entschieden. Es traten zum Glück keine weiteren Symptome auf und einen Tag später sind wir dann doch noch in Prachuat Khiri Khan angekommen.

Nebst all diesen Interessanten Ess-Erfahrungen darf aber ganz klar gesagt werden, dass Thailand ein kulinarischer Leckerbissen ist. Nebst den äusserst leckeren Thai Gerichten (es gibt auch nicht scharfes), schmecken auch westliche Gerichte meist sehr gut. Die Hygiene ist sogar bei den noch so schmuddelig aussehenden Garküchen nicht schlecht. Zumindest blieben wir bis jetzt von Magenbeschwerden verschont.

Was wir aber ganz sicher behaupten können ist, dass wir im wahrsten Sinne des Wortes am REISen sind :-)